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Produktivität in der Software-Industrie

Im Editorial der iX 06/08 bezeichnet Jürgen Diercks die Software-Industrie als "die größte Arbeitsbeschaffungsmassnahme aller Zeiten".

Ja, er hat recht ! Die großen und auch wir kleinen Software-Hersteller haben es nicht geschafft, den explodierenden Anforderungen und Technologie-Standards entsprechende Tools entgegenzusetzen, um die Produktivität zu steigern oder auch nur zu halten. Nehmen wir einige große Hersteller und Technologien:

1) Microsoft. Anfang der 90er kam ein damals sehr innovatives neues Produkt. MS Access. Es bot RAD mit integrierter Datenbank, damals ein Meilenstein für alle, die in der Individualentwicklung tätig waren für Kunden. Leider hat MS es verpasst, diese Ideen zusammen mit einer echten OO-Programmiersprache auszuliefern. VB naja. Trotzdem war und ist es ein brauchbares Tool. Im Gegensatz dazu geht Visual Studio (leider) einen anderen Weg. Featuritis. Man fragt sich immer wieder: müssen moderne IDE's so komplex sein ? Allerdings muß man auch sagen, daß Microsoft im Bereich der wizard-gestützten Entwicklung einer der besten ist. Trotzdem ist die Entwicklung noch zu umständlich. MDA-Konzepte ? Fehlanzeige

2) Java. Viele Jahre hat es gedauert, bis Java im Bereich der DB-Anwendungen ähnliche Tools hervorgebracht hat wie MS (zB Xdev). Java ist ein Synonym für die Geschichte der SW-Entwicklung in den letzten 15 Jahren. Unglaublich viele Standards, Frameworks, wenig Produktivität, mangelnde Tool-Unterstützung. Auch Eclipse hilft da nur bedingt. Wieder das Thema Featuritis. Für die Server-Seite ist Java sehr gut geeignet. Client-seitig ist es aus Entwicklersicht ein Alptraum. Hier spielt natürlich die für Entwickler allgemein grausame HTTP-stateless-Architektur eine Rolle, das ist somit nicht allein Java anzulasten. Sun hat in Richtung Client-Produktivität überhaupt nichts zustande gebracht, was mit der MS-Welt mithalten könnte.

3) SAP. Nunja, SAP war schon immer komplexer als alles andere Software. Die Firma hat den Anspruch "do it once, do it right". Das führt manchmal zu Overkill-Design. Sie haben einige sehr gute Ideen umgesetzt, zB die gute Integration von DB und ERP-System, die integrierte Entwicklungsumgebung in der Laufzeitumgebung, den stabilen ABAP-Kern, der gut von DB-Details abstrahiert usw. Sie haben zusätzliche Komponenten für Deployment/Verwaltung großer Java-Projekte erfunden, welche die Schwächen von Java in dieser Richtung beseitigen. Die Web-Client-Probleme versuchen sie mit WebDynpro zu lösen, welches ich prinzipiell für ein besseres Konzept halte als alle anderen Web-Frameworks am Markt (da WebDynpro den ganzen HTML-Käse überflüssig macht). Ob es allerdings einfach erlernbar und anwendbar ist...hier kann SAP sicher noch nachlegen. Die xApps haben auch interessante Konzepte mit den UI-Patterns. Insgesamt ist aber Netweaver mit dem ABAP- und Java-Stack sehr komplex. Eine Netweaver-Lite Version wäre sinnvoll

4) andere große Hersteller, gleiches Thema. Zu viel Featuritus, zu wenig Wizards, MDA Fehlanzeige.

MDA allgemein: muß heutzutage erstmal als eigenes Projekt aufgesetzt werden, bevor es überhaupt Arbeit sparen kann => fällt für kleine bis mittlerere Projekte aus. Muß das so sein ?

5) B2B: zu viele verschiedene Standards. Kunde A schickt mit HTTP, B kann nur FTP, der nächste braucht Mail, ein anderer JMS, der nächste aber bitte verschlüsselt mit PGP, dann noch SOAP, Zertifikate, X400, MQSeries, Idoc/RFC und was weiss ich noch. Das läßt sich nicht ändern. Was machen die Software-Hersteller von Integration-Engines ? Wieder dasselbe Thema. wenig wizards für die am häugfigsten benötigten Tasks, zuviele Features. Zu wenig gescheites Monitoring ! Immer wieder dasselbe, jede Menge Entwicklungs-Funktionen, aber keine brauchbare Laufzeit-Kontrolle oder Test-Funktionen. Wieso kann ich im Java XI keinen HTTP-Verbindungstest Button haben, so wie in der SM59 in ABAP ?? Unverständlich.

Als Entwickler ist man normalerweise im Projektgeschäft eingebunden und fängt nicht an, nebenbei "mal so eben" die obigen Probleme mit eigenen Produkten zu lösen. Auch ist es nicht einfach, die beschriebene Komplexität für den Entwickler zu reduzieren.

Ich habe großes Verständnis, daß die Kunden von der IT genervt sind, wenn sie sehen, welchen Aufwand sie reinstecken und was dann dabei rauskommt. Die Software-Industrie im momentanen Stadium ist von der Produktivität her absolut unbefriedigend. Wir Entwickler haben uns über die Jahre irgendwie dran gewöhnt. Die Kunden wohl auch. Richtig glücklich kann aber keiner von beiden damit sein.

CSY

SAP Business Connector 4.8 kommt im Juli 2008 !
Im Juli 2008 wird eine neue Versions des SAP Business Connectors erscheinen. Dies wird viele Bestandskunden des Business Connectors erfreuen. Es handelt sich um ein Wartungsrelease, welches hauptsächlich dazu dient, neuere JDK's und Betriebssysteme zu unterstützen, da der BC 4.7 schon vor vielen Jahren erschienen ist. Kurz darauf wird auch ein Buch zur neuen Version 4.8 von SAP Press veröffentlicht. Details siehe http://www.sap-press.de/1752
SOA, BPM und der unbekannte Kunde
Anlässlich der Berichterstattungen der letzten 1-2 Jahre in diversen Fachzeitschriften möchte ich einen Kommentar zu den aktuellen Hypes SOA und BPM liefern, und zwar aus der Sicht, wo die meisten Kunden heute stehen.

Es drängt sich die Vemutung auf, daß die meisten Berichterstatter diese Themen zwar pushen, weil sie aktuell in Mode sind, aber keine rechte Ahnung haben, wo die Kunden sich eigentlich heute befinden, und welches ihre Probleme und Aufgabenstellungen sind.

Da wird von SOA-Architekturen geträumt, Business Performance Management, durchgängiger IT-Unterstützung der Prozesse und und und...

Es mag einige wenige Kunden geben, die heute bereits eine gewisse Chance haben, aus diesen Konzepten nutzen zu ziehen. Die große Mehrheit hat aber ganz andere Probleme. Sie sind froh, wenn sie überhaupt erstmal ihre Anwendungen einigermaßen integriert bekommen ! Man trifft oft auf Medienbrüche (auf deutsch Papier-Prozesse), die dann zu doppelten Erfassungen von Daten führen, mit allen bekannten Problemen. Man findet unterschiedliche Integrations-Technologien, gewachsen über Jahre. Oft gibt es keine brauchbare Doku zu den Schnittstellen.

Warum ist das so ? Ich behaupte, ein Grund liegt darin, daß es zu wenig wirkliche brauchbare EAI-Tools gibt, welche auf einfache Weise EAI-Kernfunktionen anbieten, ohne daß die Anwender erstmal Kurse belegen müssen, um das Produkt produktiv bedienen zu können.

Schaut man sich zB die IBM WebSphere Produkte oder auch SAP XI an, so versteht man, was ich meine. Diese Tools sind zweifelsohne sehr mächtig, aber es ist für Firmen sehr schwer, hier den Einstieg zu finden, da sie zunächst mal beträchtliche Schulungs-Investitionen bzw. externe Unterstützung erfordern. Viele Produkte im EAI-Umfeld haben Nachholbedarf bzgl der Punkte "schnelles Erzielen von Ergebnissen", "einfache Installation" und insbesondere "einfache Administration". Die Feature-Schlacht ist meiner Meinung nach der total falsche Weg. Der Anwender überblickt nämlich irgendwann das Produkt nicht mehr und wendet sich ab, da er das, was er eigentlich damit tun will, nicht findet bzw 38 Einzelschritte durchführen muß, um es zu erreichen.

Für mittelständische Firmen zB, die durchaus auch komplexe Integrations-Szenarien haben, aber deren Budget nicht vergleichbar mit Großunternehmen ist, ist das ein Problem.

Aus diesem Grund favorisiere ich die einfacheren EAI-Tools, die sehr schnell produktiv eingesetzt werden können, und weniger Overhead bzgl Einarbeitung und auch bzgl Hardwarevoraussetzungen haben. In diese Rubrik fallen zB der SAP Business Connector und der Microsoft Biztalk Server.

In einem Folge-Kommentar werde ich diese Tools etwas näher vorstellen

CSY

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